Marit Schalk wurde 1971 im Westerwald geboren, wo sie nach wie vor mit ihrer Familie lebt.

Bereits als Kind ist sie eine echte Leseratte gewesen, die aber auch immer schon selber zur Feder gegriffen hat, wenn die Geschichte, die sie gerade gerne gelesen hätte, offenbar noch von niemand anderem aufgeschrieben worden war. Auf diese Weise ist auch „Außerhalb der Zeit“ entstanden, denn eine Zeitreise ins Hamburg der Biedermeierzeit war gerade nirgends greifbar…

Marit Schalks Debütroman „Außerhalb der Zeit – Über raue Pfade“ erschien 2017 und ist der erste Teil von zweien.

Teil 2 „Zu den Sternen“ ist seit Juni 2018 erhältlich.

MARIT SCHALK IM INTERVIEW

Über ihren Zeitreiseroman „AUßERHALB DER ZEIT“

Seit wann schreiben Sie?

Ich habe schon als Zehnjährige ganze Schulhefte mit Kurzgeschichten vollgeschrieben. Leider existieren diese Hefte nicht mehr, aber an eine Geschichte davon erinnere ich mich noch gut:

Sie hieß „Citrosinchen“ und handelte von einer enorm großen Orange, die irgendwann so riesig wurde, dass sie vom Orangenbaum herunterfiel und das spanische Dorf am Fuße des Orangenhaines komplett unter einer Schicht von Saft und Fruchtfleisch begrub.

Typischer Grundschülerhumor eben.

Aber die Geschichte ging gut aus: Die Bewohner machten das Beste aus ihrem Schicksal und brachten es durch den Verkauf der Überreste von Citrosinchen zu Zufriedenheit und Wohlstand.

Ein Happy-End muss sein, das war mir schon damals klar.

Sie sind berufstätig und Mutter von zwei Kindern. Woher nehmen Sie die Zeit zum Schreiben?

Streng genommen habe ich eigentlich keine Zeit dafür, aber ich nehme sie mir einfach: Verregnete Wochenenden und Schulferien mag ich dabei ganz besonders gerne.

Woher nehmen Sie die Ideen für Ihre Geschichten?

Das ist ganz unterschiedlich. Meistens gibt mir eine Filmszene oder ein Buch, das mir gut gefallen hat einen Anstoß, die Geschichte für mich im Kopf umzuformen, weiterzuspinnen, mit eigenen Ideen zu füllen, sodass etwas Eigenes, Neues entsteht, das mit dem ursprünglichen Impuls oft gar nichts mehr gemeinsam hat.

Für „Außerhalb der Zeit“ waren es u.a. eine Fernsehdokumentation über die Geschichte des Hamburger Hafens, sowie ein geplanter Familienausflug an die Deutsche Märchenstraße (der bis heute leider noch immer nicht stattgefunden hat). Beides hat eine Assoziationskette in Gang gesetzt, über deren Verlauf ich mich rückblickend teilweise selbst wundere.

Wie recherchieren Sie für eine Geschichte?
Ich bin keine Person, die Geschichten bis ins Detail vorplant. Meistens schreibe ich einfach drauflos und biege mir die Ereignisse so hin, dass es passt.

Wenn ich aber an einen Punkt komme, an dem mir Realitätsnähe wichtig ist und ich mich mit der Materie nicht gut auskenne, befrage ich als Erstes immer zunächst das Internet, und wenn nötig, vertiefe ich das Thema dann noch mit Fachliteratur.

Für „Außerhalb der Zeit“ habe ich z.B. eine Biografie über Salomon Heine gelesen, mich mit der zwiespältigen Rolle der Gouvernante innerhalb eines Haushalts der damaligen Zeit beschäftigt und mich über die traditionsreichen Hamburger Kaufmannsfamilien informiert.

Dann bin ich natürlich auch in Hamburg vor Ort gewesen und habe mich an meinen Originalschauplätzen umgesehen, soweit dies möglich war. Außerdem habe ich das Museum für Hamburgische Geschichte besucht und dort ganz gezielt nach Antworten auf Fragen gesucht, die sich mir während des Schreibens gestellt haben.

Wie lange schreiben Sie an einem Roman?
Da ich häufig wochenlange Pausen machen muss, bevor ich wieder die Zeit finde weiterzuschreiben, lässt sich das ganz schwer sagen.

Manchmal schreibe ich mir auch einfach eine Szene auf, die mir gerade im Kopf herumspukt, zu der es aber noch gar keine Gesamtgeschichte gibt. Solche Szenen landen dann erst mal in der Schublade und werden teilweise nach Jahren wieder von mir herausgekramt.

So war es auch mit „Außerhalb der Zeit“. Es gab irgendwo einzelne Fragmente in meinem Kopf, aber ich musste mir erst einmal die Zeit nehmen, alles zu ordnen und durch einen roten Faden zu verbinden. Alles in allem dürfte das von der allerersten Idee bis hin zur fertigen Geschichte in Summe etwa fünf Jahre in Anspruch genommen haben.

Wie viel von der echten Marit Schalk steckt in den Personen?
Auch wenn ich in „Außerhalb der Zeit“ in der Ich-Form aus der Sicht von Lena erzähle, so habe ich mit ihr kaum Gemeinsamkeiten.

Henry ist mir da in vieler Hinsicht näher. Ständig fühlt er sich für alles verantwortlich, schmiedet Pläne für alles und jeden und ist unzufrieden, wenn es anders kommt, als er sich das vorgestellt hat.

Vielleicht schreibe ich deshalb gerne Romane: wenigstens in meinen Geschichten tanzen die Leute nach meiner Pfeife – na ja, zumindest meistens.

„Außerhalb der Zeit“ spielt in der Biedermeierzeit. Würden Sie selber gerne in dieser Epoche leben?
Ganz klar: Nein.

Als Frau würde es mich ungeheuer stören, wenn ich ein Leben lang in finanzieller Abhängigkeit von einem Mann (Vater/Bruder/Ehemann) stehen müsste und mir als einzige Alternative bloß die Armut bliebe, da mir eine wirklich einträgliche Erwerbstätigkeit nicht gestattet wäre.

Aber auch als Mann war das Leben in vorherigen Jahrhunderten bestimmt nicht leicht. Meine Hauptfigur Henry hadert nicht umsonst mehrfach mit seiner Rolle als Patriarch, der sich ständig in der Pflicht sieht, für die von ihm in sämtlichen Belangen abhängige Familie Sorge tragen zu müssen – und das nicht bloß finanziell.

Ich bin der festen Überzeugung, dass von der Gleichberechtigung der Frau auch die Männer erheblich profitieren, auch wenn es in ihrem Fall vielleicht nicht auf den ersten Blick so offensichtlich ist.

Ihre weibliche Hauptperson macht eine Zeitreise.
Glauben Sie daran, dass es Zeitreisen tatsächlich gibt?

Albert Einstein und einige seiner Nachfolger sagen, dass es geht – rein theoretisch zumindest. In der Praxis aber wohl nicht, denn Stephen Hawking weist zu Recht darauf hin, dass wir andernfalls wohl längst von Zeitreise-Touristen aus der Zukunft überrannt worden wären.

Ich halte es also mit Henry Sieveking, der ja der Ansicht ist, dass die Welt noch voller physikalischer Gesetze und Geheimnisse steckt, die wir Menschen bloß noch nicht entdeckt und zu beherrschen gelernt haben. Und solange Menschen keine logische Erklärung für etwas finden, bezeichnen sie es als Zauberei.

Da ich eine absolute Niete in Physik bin, quillt die Welt für mich also geradezu über mit unerklärlichen Wundern.

Warum haben Sie ein Pseudonym gewählt und schreiben nicht unter Ihrem richtigen Namen?
Die Antwort ist einfach: Unter meinem richtigen Namen habe ich im Sachbuchbereich bereits einige Unterrichtshilfen für Grundschullehrer veröffentlicht.

Als Leser würde ich es persönlich ein wenig befremdlich finden, wenn ich nach einem Unterhaltungsroman suche und mir unter dem Namen der Autorin z.B. auch Arbeitsblätter über das Leben der Stockente angeboten würden.

Daher das Pseudonym.

Im Übrigen ist mein richtiger Name dem von Marit Schalk gar nicht so unähnlich. Ich verstecke mich also nicht.

Sind Sie gerne Selfpublisherin oder hätten Sie lieber einen professionellen Verlag hinter sich?
Aus dem Sachbuchbereich weiß ich, welche riesigen Vorteile es bringt, einen professionellen Verlag hinter sich zu haben. Man kann sich auf das Schreiben konzentrieren, während der Verlag Marketing und Vertrieb übernimmt. Das ist super.

Andererseits ist ein Verlag ein Wirtschaftsunternehmen, das natürlich kontinuierlich Geld verdienen muss. Das bedeutet für den Autor eben auch, dass er Absprachen einhalten und zuvor festgelegte Inhalte zu vereinbarten Terminen abliefern muss…

Da das Schreiben in meinem Fall bisher ein Hobby ist, das ich neben meinem eigentlichen Beruf ausübe, bin ich mit dem Selfpublishing wahrscheinlich besser beraten. Wenn ein Romanprojekt mal für ein paar Wochen auf Eis liegen muss, weil es in meinem Umfeld gerade Dringenderes zu tun gibt, dann ist das eben so und lässt die Welt nicht untergehen.

Haben Sie selber ein Lieblingsbuch oder -autor? Was lesen Sie in Ihrer Freizeit?
Es gibt nur wenige Bücher, die ich jemals in meinem Leben mehrmals gelesen habe, aber „Das Geisterhaus“ von Isabell Allende hole ich immer mal wieder hervor, denn ich mag es sehr, wenn Geschichten klug aufgebaut und scheinbare Nebensächlichkeiten am Ende einen Sinn ergeben. Im „Geisterhaus“ ist das so.

Es ist übrigens keine Spukgeschichte, sondern eine Familiensaga.

Generell mag ich gerne Romane vor historischer Kulisse.